Eine Halbzeit auf Augenhöhe mit dem Deutschen Meister

Die Rhine River Rhinos haben am 8.Spieltag der 1. Rollstuhlbasketball-Bundesliga die Sensation gegen den amtierenden Deutschen Meister und Pokalsieger verpasst. Nach einer starken ersten Halbzeit und einer zwischenzeitlichen Führung im dritten Viertel, mussten sich die Dickhäuter dem Kollektiv von der Lahn im Hessen-Derby mit 56:79 (26:30) geschlagen geben.

Marco Hopps Marschroute gegen die hessische Konkurrenz ging in der ersten Halbzeit und in den ersten drei Minuten des dritten Viertels voll auf. Die Rhinos harmonierten, ließen den Ball durch die eigenen Reihen laufen und spielten als Team.  Auch der schnelle Spielrhytmus der Gäste brachte die Kurstädter nicht aus dem Konzept. In „Run-and-Gun-Marnier“ duellierten sich die beiden Mannschaften auf Augenhöhe. Mit fairen Mitteln, insbesondere in der ersten Halbzeit (9 Fouls in toto), boten sich die Rhein- und Lahnstädter die Stirn. Dabei gelang es den Rhinozerossen immer wieder den Gegner aus der eigenen Zone zu halten, was dazu führte, dass der Gast sein Glück aus der Mitteldistanz suchte. Ein Ansatz, der nur bedingt zum Erfolg führte. Den Kampf annehmend, hielten die Hausherren wacker dagegen und  boten den Zuschauern bis zum Pausentee (26:30) Rollstuhlbasketball vom Feinsten.

Auch nach der 15-minütigen Unterbrechung fanden die Rhinos gut in die Partie. Zwei schnellen Abschlüssen von André Hopp und einem Freiwurftreffer von RSV-Mann Thomas Böhme (30:31) folgte ein Fastbreak von Geburtstagskind Maurice Amacher zur 32:31-Führung für den Aufsteiger der letzten Spielzeit. Nach einem neuerlichen Führungswechsel durch den Wetzlarer Brian Bell (32:33), war es wiederum André Hopp, der mit einem erfolgreichen Dreipunktewurf für die 35:33-Führung der Kurstädter sorgte. Der Jubel und die Freude im weiten Rund der Sporthalle Klarenthal währte nur kurz. Ein 9:0-Run des Serienmeisters (35:42) stellte die Kräfteverhältnisse an diesem Abend wieder her. Da nütze auch ein spektakulärer Dreipunktewurf aus der Drehung von Center Hopp zum 38:42 nichts, denn die Mittelhessen zündeten den Turbo und brachten das Kollektiv aus der Landeshauptstadt eins ums andere Mal in Bedrängnis. Ballverluste, schnelle Abschlüsse und Unkonzentriertheiten auf Seiten der Gastgeber wurden von der Spitzenmannschaft aus Wetzlar eiskalt ausgenutzt. Angetrieben von Nationalspieler Thomas Böhme (29 Pkt.), zog der amtierende Pokalsieger Punkt für Punkt davon, um das dritten Viertel deutlich mit 28:14 für sich zu entscheiden.

Auch in den letzten zehn Minuten zeigte sich ein ähnliches Bild. Während es Amacher & Co. nicht gelang, an die gute erste Halbzeit anzuknüpfen, spielte der Deutsche Meister seinen Stiefel runter und ließ in seinem Spiel keinen Bruch erkennen. Die Rhinos indes verrannten sich oft in Einzelaktionen und versuchten ihr Glück mit der Brechstange zu erzwingen. Ein Unterfangen, das nicht von Erfolg gekrönt war. Folgerichtig ging auch der letzte Spielabschnitt (16:21) und die Partie mit 56:79 verloren. Eine Niederlage gegen den amtierenden Deutschen Meister und Pokalsieger, mit der Manager Mirko Korder nach dem Schlusspfiff leben konnte: „Gegen ein Kollektiv aus Nationalspielern zu verlieren, ist kein Beinbruch. Ich freue mich, dass die Halle gut gefüllt war und etliche Menschen aus Politik, Sport und Wirtschaft den Weg ins Klarenthal gefunden haben. Das ist ein schönes Zeichen und unterstreicht den Stellenwert der Rhinos in Wiesbaden.“

Statements:

Marina Mohnen: „Lahn-Dill hat viel zu viele einfache Punkte gemacht, wie z. B. Korbleger aus dem Fastbreak, aber auch aus dem Setplay heraus. In der ersten Halbzeit standen wir ganz gut, so dass der RSV von außen werfen musste. Das hat auch ganz gut funktioniert, da sie ihre Würfe nicht immer verwandeln konnten. Und das haben wir in der zweiten Halbzeit gar nicht mehr hinbekommen. Der Zuschauer konnte sehen, dass wir ein Stück weit auseinanderfallen, wenn wir nicht als Team spielen.“

Thomas Gundert: „In den ersten Halbzeit haben wir uns ganz gut verkauft. Wir sind nur mit einem 4-Punkte-Rückstand in die Pause gegangen, was gegen den RSV Lahn-Dill nicht schlecht ist. Das dritte Viertel hat uns wieder einmal das Genick gebrochen. Es ist schade, dass wir da nicht besonnener agiert haben und fokussiert geblieben sind, wie in den ersten beiden Vierteln.“

Statistik:

Viertelergebnisse: 15:18 | 11:12 | 14:28 | 16:21

Scorer: Hopp (19), Gray (12), Amacher (10), Malsy (9), Güntner (2), Mohnen (2), Gundert (2)